... zum Thema BDSM

 

BDSM ist eine Abkürzung für mehrere englische Worte:

 

Bondage und Discipline (B&D)                         Fesselung und Disziplin

Domination und Submission (D&S)                 Dominanz und Unterwerfung

Sadism und Masochism (S&M)                        Sadismus und Masochismus

 

Im Volksmund kurz als Sadomasochismus oder SM bezeichnet. Kernpunkte des BDSM und der Sadomasochisten sind Freiwilligkeit und Einvernehmlichkeit der Partner und die erotische Komponente, dadurch kann er von sexueller Gewalt unterschieden werden. Ausdruck dieser ethischen Grundlagen ist das Motto: safe, sane, and consensual (SSC), zu Deutsch Sicherheitsbewusst, nüchtern (mit gesundem Menschenverstand) und im gegenseitigen Einverständnis.


Der Übergang ist fliessend – je nach Empfinden oder Betrachtung. In den letzten Jahren sind auch mehr und mehr BDSM-Praktiken von vielen wiederentdeckt worden. Damit ist es erst recht unmöglich geworden, zwischen uns und den Vanilles (Nichtsadomasochisten) eine Linie zu ziehen.

 

Das BDSM-Paradoxon beschreibt den Umstand, dass die Tatsachen bei BDSM gerade umgekehrt sind wie der Anschein, den sie erwecken. Scheinbar besitzt der Top die völlige Kontrolle über alles, was während einer BDSM-Session geschieht. Tatsächlich liegt die Kontrolle einer gelungenen BDSM-Session jedoch beim Bottom und dessen Möglichkeit, durch das Codewort die Session zu stoppen oder gar abzubrechen.

 

Bürgerliche Vorstellungen beinhalten auch, dass ein Bottom immer verliert und ein Top immer gewinnt... dem ist nicht so! Nur wenn der Bottom seine Freiheit aufgibt und verliert, kann er zum Bottom werden und seine Neigungen ausleben und selbst wenn der Bottom Fehler macht und dafür bestraft wird, verliert er nicht, sondern gewinnt, da er in diesem Fall durch die Erziehung durch den Top zu einem besseren Bottom wird.

 

BDSM ist vergleichbar einer Münze. Die hat immer zwei Seiten ohne die eine, die andere nichts wert ist. Den wahren Wert erhält die Münze erst durch die Prägung. Die erhalten beide Top wie Bottom indem sie sich aufeinander einlassen und beide ihre Erfüllung finden. BDSM ist auch nicht möglich, indem man nur eine Seite betrachtet. Doch auch hier ist es wie bei der Münze, betrachte ich die eine Seite, bleibt die andere verborgen und umgekehrt. Meine Ausführungen gehen aber sehr stark von meiner Seite aus, die ganz klar Bottom ist.

 

BDSM ist für mich die intensivste Form, in der sich zwei Menschen begegnen können. Für mich hat das nicht ausschliesslich was mit Sexualität zu tun. BDSM geht für mich weiter und kann auch das gesamte Leben eines Menschen gestalten. Mehr dazu später noch...

 

BDSM ist nicht auf der einen Seite Abbau von Aggressivität und Frustrationen und auf der anderen Seite Selbstaufgabe und Selbstverachtung. BDSM hat auch nichts mit Ausnützung, Ausbeutung oder einem Dienstverhältnis zu tun. Das darf es in meinen Augen niemals sein! Bei BDSM handelt es sich um eine einvernehmliche Sexualität. BDSM ist für mich die tiefste Form von Selbsterfahrung und Achtung des Gegenüber. Auf der menschlichen Ebene sind beide Partner gleichwertig, denn der eine kann ohne den anderen seine Neigung gar nicht ausleben. Dies bedingt die Ehrlichkeit dem anderen gegenüber aber auch vor allem zu sich selbst, so schwer das auch fallen mag. BDSM ist nur möglich, wenn das bedingungslose VERTRAUEN beider oder auch aller Beteiligten vorhanden ist. Deshalb bildet das VERTRAUEN die entscheidende Grundlage für BDSM. Weiter ist wichtig das alles auf freiwilliger Basis geschieht und nur mit der Einwilligung beider (SSC, wie bereits weiter oben ausgeführt).

 

Am Anfang steht das miteinander Reden. Es ist sehr wichtig. Dabei können beide Parts über ihre Möglichkeiten und Phantasien sprechen. Schamgefühle gehören hier nicht hin. Es ist wichtig offen einander zu begegnen und dem anderen sein wahres ICH zu zeigen. Jeder sollte klar sagen was er will, aber was er auch nicht will! Was zulässig ist und was überhaupt nicht - sogenannte Leitplanken, Grenzen und Tabus. Das muss sich aber nicht nur auf den Sex beziehen, sondern darf durchaus auch Weltanschauung und persönliche Einstellungen betreffen. Auch gesundheitliche Probleme dürfen an dieser Stelle nicht ausgelassen werden, sonst kann es rasch sehr gefährlich werden. Das rundet das Bild des Gegenüber ab und bildet genauso einen Bestandteil im Mosaik des Menschen, auf den ich mich einlasse. Denn jeder muss den anderen kennen.

 

Dieses Gespräch schafft Vertrauen. Dies bildet die Grundlage, dass BDSM überhaupt möglich sein kann. Nur behutsam und vorsichtig müssen sich nun beide Seiten nach und nach kennen lernen und gegenseitig erfahren. Einander spüren lernen. Der Bottom (der passive, devote Partner, Maso oder Sklave) muss das VERTRAUEN gewinnen, dass seine Leitplanken und Grenzen respektiert werden. Das heisst nicht, dass sie nicht nach und nach erweitert werden können! Dabei gilt es lediglich die Leitplanken nach aussen zu verschieben, nicht diese aber zu übersteigen. Aber eben das geht nur, wenn Vertrauen da ist, ohne dass der Bottom durch den Top (der aktive, dominante Partner, Sado oder Master) überfordert wird. Nur so ist eine völlige Hingabe und sich Fallenlassen des Bottom möglich. Der Top benötigt dazu Erfahrung, Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und die Kenntnis der „Spielzeuge“. Ein Zitat von einem wirklich sehr beeindruckenden Menschen, den ich kennen lernen durfte, möchte ich an dieser Stelle erwähnen: Der Bottom dient der Situation, der Top dem Ganzen.

 

BDSM zeigt sich äusserlich meist Menschen verachtend, demütigend oder brutal. Vielmehr noch spielt sich aber BDSM im Kopf und im Geist eines Menschen ab. Dies formt das Bild, ersteres gibt dem Ganzen nur den Rahmen und sollte niemals allein bestimmend sein. Somit ist das Geben genau so entscheidend wie das Nehmen und beides im BDSM noch bedeutender als in jeglicher anderen Form der Sexualität.

 

Eine wichtige Erkenntnis ist auch, dass die allmähliche Steigerung ein Geheimrezept im BDSM ist. Nur wer sich Zeit lässt und langsam Schritt für Schritt dabei vorwärts geht, wird sich wundern, was alles möglich sein kann. Ganz besonders trifft das auch beim Aushalten von Schmerzen zu, da der Körper die Fähigkeit besitzt sich auf Schmerzen einzustellen. Dazu ist vor allem die Sensibilität des Tops notwendig.

 

Eine Möglichkeit des Abbruchs steht dem Bottom immer zur Verfügung mittels einem Codewort oder Stopwort (schlicht STOP oder Mayday wird auch häufig verwendet). Es ist darauf zu achten, dass der Bottom in jeder Situation diese Möglichkeit nutzen kann, besonders in denen er sich nicht sprachlich äussern kann.

 

Es kann zusätzlich der Ampelcode vereinbart werden. (Grün: Stärker, fester, (mehr) [auch: alles okay (weiter so)] Orange/Gelb: Weniger stark, weniger fest, (weniger) Rot: Kurze Pause, Atem holen lassen (anhalten) ). Dies kann beiden Seiten helfen, dass es nicht zur Unter- oder im schlimmeren oder gar gefährlicheren Fall Überforderung und damit zum Abbruch der Session kommt.

 

Weiter oben habe ich davon gesprochen, dass offene Gespräche ohne jegliches Schamgefühl wichtig sind. Natürlich ist auch eine natürliche Spannung und Ungewissheit beim Bottom ein sehr reizvolles Instrument des Tops und sollte Platz finden bei den Anwendungsmöglichkeiten. Die Frage stellt sich einfach nach der Art und der Dauer. Es ist nicht jedermanns Sache, stundenlang sein Dasein zu fristen ohne das etwas passiert. Ich setze da auf die Beobachtungsgabe des Tops.

 

Angst ist ein gefährliches, kann aber auch ein durchwegs reizvolles Instrument sein. Die Angst vor einer Bestrafung beispielsweise wird vom Bottom dabei als stimulierend empfunden. Aber auch der Top geniesst die Angstreaktionen des Bottom. Es ist jedoch grosse Vorsicht geboten, da die Grenze zwischen Geilheit und Absturz dabei sehr dünn ist und fliessend verlaufen kann. Die Stresssituation und die damit verbundene verstärkte Adrenalinausschüttung können beim Bottom zu Panik führen, wo er hyperventiliert und dann unweigerlich ausrastet. Es besteht die Gefahr des schnellen Kippen!

 

Wichtig ist mir das Bewusstsein, dass innerhalb des BDSM immer nach Weiterent-wicklung beidseitig gestrebt wird hin zur Perfektion. Den perfekten Bottom (wie im übrigen auch Top) gibt es jedoch nicht und wird es nie geben. Somit ist die Ausbildung und Erziehung eines Bottom durch den Top nie abgeschlossen. Daher bleibt immer grosser Raum für die Erziehung und Ausbildung mittels Lob und Tadel, Belohnung und Bestrafung und es wird Top wie Bottom nie langweilig werden.

 

Anmerkung eines masos aus Paul's Bücher: Wäre ich ein perfekter maso, dann wäre ich ein armes Schwein, denn dann gäbe es keinen Grund mehr, sich mit mir auseinander zu setzen, mein Meister könnte mich nicht mehr nach seinen Vorstellungen verändern und formen, und unsere Beziehung wäre am Ziel angekommen...

 

Schlusssatz

Die beiden Zitate sagen abschliessend alles:

 

BDSM ist ein „Spiel“ mit zwei Gewinnern, es darf keine Verlierer geben. Beide müssen ihren Spass daran haben, auch wenn er unterschiedlicher nicht sein könnte. Ist die beidseitige Befriedigung da, dann wächst das Vertrauen und somit ist auch meist die Bereitschaft da, dies weitergehend auszuleben und neue Horizonte GEMEINSAM zu entdecken. (Verfasser leider im Moment nicht mehr präsent)

  

Das zweite kommt vom Hl. Franziskus: Ama et facta quod vis. Zu Deutsch: Liebe und mach, was Du willst.